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Markierstäbe – Echte Hilfe oder Teufelszeug



Kennst du schon das Workingtest-Wartezonen-Bingo? Falls nicht, solltest du es unbedingt bei deinem nächsten WT spielen.
Es geht wie folgt. Du sitzt in der Wartezone mit all den anderen wartenden Teilnehmern. Dann bring die Unterhaltung einfach mal
auf das Thema Markierstäbe. Du wirst dann unterschiedliche Antworten erhalten.

A - Markierstäbe sind super gut.
B - Markierstäbe sind der Teufel und versauen deinen Hund im Voran.
C - Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.

Wenn du fünf gleiche Antworten bekommen hast, rufst du laut Bingo!!!
Soviel zum Zeitvertreib auf einem Workingtest. Aber vielleicht gehörst du ja auch zu Antwort B oder C und ich möchte gerne Licht ins Dunkel bringen.
Markierstäbe sind weiße, kurze Stäbe, die man in den Boden stecken kann. Sie sollen dem Hund eine Hilfe sein, dass Ziel - die Fallstelle des Dummys
– schnell und einfach zu finden. Es geht jedoch das weit verbreitete Gerücht um, dass du dir das Voran kaputt machst, wenn du mit Markierstäben trainierst.

Warum ist das so?

Häufig liegt es einfach an der falschen Verwendung der Markierstäbe im Dummytraining. Ein typischer Trainingsaufbau, den ich immer wieder beobachte, ist folgender:
Der Hund wird auf einer Wiese abgesetzt, ein Markierstab in den Boden gesteckt und ein Dummy direkt davor abgelegt. Danach stellt man sich neben den Hund und schickt mit einer ausgestreckten Hand "Voran" in Richtung des Markierstabes.

Was glaubt man damit zu trainieren?

Man glaubt, dass der Hund lernt der Hand zu folgen und dann am Markierstab ein Dummy zu finden.
Was trainiert man so jedoch wirklich? Der Hund lernt, dass er auf das Wort "Voran" (oder ein anderes) zu einem weißen Stab rennen soll, an dem er ein Dummy findet.
Es passiert also genau das, was alle Gegner der Markierstäbe immer ins Feld führen. Aber ist dann das Werkzeug - der Markierstab - das Problem oder dessen Verwendung? Sollte man ein Werkzeug verteufeln, weil es falsch verwendet wird? Wenn deine Antwort nein ist, dann habe ich für dich ein paar Trainingsvorschläge, wie du die Markierstäbe sinnvoll einsetzen kannst. Die Markierstäbe können eine große Hilfe beim Einweisen sein, wenn du sie richtig verwendest. Dein Hund muss verstehen, dass du ihn
nicht einfach nur stumpf auf ein Stäbchen schickst, sondern dass deine Hand ihm die Richtung zum Erfolg (Stab mit Dummy) zeigt. Aber um das zu erreichen muss es eine Auswahl geben. Dein Hund darf nicht sicher sein, wo das Dummy ist. Dann läuft er nämlich einfach zu dem Stab, bei dem er weiß, das dort das Dummy ist. Er verlässt sich auf sich selbst. Er braucht dich nicht, um zum Erfolg zu kommen und genau dort liegt der Knackpunkt beim Training des Vorans. Dein Hund muss die Sicherheit im Voran von dir bekommen und nicht, weil er sich sicher ist, wo das Dummy ist. Wenn du deinen Hund Voran schickst, soll er deiner Richtung folgen. Es wird keine Selbstständigkeit
erwartet. Er soll "einfach" deinen Anweisungen folgen und dir VERTRAUEN.

Mit diesen drei goldenen Regeln zur Benutzung von Markierstäben, kannst du das Vertrauen in dich als Hundeführer trainieren.

Die Markierstäbe werden so eine echte Hilfe in deinem Dummytraining.
1 - Wenn du die Stäbe im Dummytraining verwenden möchtest, nutze immer mindestens vier Markierstäbe.
2 - Nutze die Stäbe als Verleitung, nicht nur als Zielpunkt.
3 - Lass deinen Hund nicht zu leeren Markierstäben rennen, um diese Abzuchecken.

Erste goldene Regel: Nutze mindestens 4 Stäbe.

Wenn du immer vier Stäbe gleichzeitig aufstellst, aber nur an einem ein Dummy liegt, erzeugst du eine Unsicherheit in deinem Hund. Das ist nicht schlimm, sondern das ist genau das was du brauchst. Wenn dein Hund sich sicher ist, wo das Dummy ist, braucht er dich nicht.
Wenn er jedoch unsicher ist, dann braucht er dich und deine Richtungsangabe, um zum Ziel zu kommen.

Trainingsaufbau:

Du lässt deinen Hund sitzen, stellst mindestens 4 Stäbe auf, legst an einen Stab ein Dummy und täuscht an einem oder allen anderen
Stäben ein Auslegen an. Dann gehst du zu deinem Hund und schickst ihn auf den Stab mit dem Dummy.

Zweite goldene Regel: Stäbe sind auch eine Verleitung, nicht nur Zielpunkt.

Wenn dein Hund gelernt hat, dass an einem weißen Stab ein Dummy liegen könnte, kannst du diese Annahme deines Hundes sehr gut als
Verleitung nutzen.

Trainingsaufbau:

Stelle 4 weiße Stäbe auf und lege ein Dummy an einen markanten Punkt (Baum). Die Stäbe sollten seitlich zur Lauflinie zum Baum stehen. Schick deinen Hund vorbei an den Stäben zum Dummy am Baum.

Dritte goldene Regel: Kein Abchecken erlauben

Ja, es wird überall geschrieben, dass es nicht schlimm ist, wenn ein Hund zu einem leeren Stab rennt, da er ja kein Dummy finden und
somit nicht zum Erfolg kommen kann. ABER er hat Erfolg. Er kann einen Stab ausschließen und hat damit einen Teil seiner Unsicherheit
beseitigt. Dein Hund war ja gerade da und hat sich davon überzeugt, dass dort kein Dummy lag. In einer idealen Welt hat dein Hund keine Ahnung an welchem Stab ein Dummy liegt. Er weiß es nicht und wird unsicher in sich selbst und fängt an, dich als sinnvolle Informationsquelle zu sehen. Du wirst nützlich in seinen Augen, er fängt an dir zu VERTRAUEN und einfach deine Kommandos zu befolgen.
Diese drei goldenen Regeln sollen deinem Hund beibringen dir, dem Hundeführer, zu vertrauen und nicht sich selbst. Befolge diese Regeln
und du wirst die weißen Markierstäbe im Dummytraining nicht mehr missen wollen.

©2020 Susanne Reinke, Hundeschule Jadgfieber
Willst du mehr Tipps und Tricks rund um das Dummytraining? Dann hör doch mal bei meinem Podcast Dummy & Co vorbei!
www.Hundeschule-Jagdfieber.de/podcast